ANNA DROSTE-LEHNERT

 

Anna Lehnert wurde am 17. Januar 1892 in Serrig (bei Saarburg) in eine kinderreiche katholische Familie hineingeboren. Ihre Eltern waren Landwirte und Winzer, die einen seit Generationen bestehenden kleinbäuerlichen Betrieb bewirtschafteten.

 

Jugend und Ausbildung

 

Anna besuchte die Volksschule in Serrig und wurde von dem dort unterrichtenden Pastor, der ihre Talente erkannte, gefördert. Seiner hartnäckigen Fürsprache war es zu verdanken, dass Annas Vater entgegen der üblichen traditionellen und patriarchalen Vorgehensweisen einwilligte, seiner Tochter den Besuch einer weiterführenden Schule zu ermöglichen. Zu jener Zeit war es vollkommen unüblich, ganz besonders auch in Annas sozialer Schicht, dass Mädchen einen höheren Bildungsweg einschlugen.

 

Mit Unterstützung des Dorfpfarrers kam Anna zum Orden der "Schwestern von Guten Hirten" in Geelen (südliche Niederlande) und besuchte dort die Unterstufe einer Bildungsanstalt für angehende Lehrer. Anschließend wechselte sie nach Eltville/Rhein zur Lehrerinnen-Bildungsanstalt. Ihre niedrige soziale Herkunft fiel auf, da viele ihrer Mitschülerinnen aus dem Großbürgertum stammten. Sie fand jedoch Anerkennung und Respekt und schloß langwährende Freundschaften ungeachtet der jeweiligen Herkunft.

 

In Saarburg beendete Anna Lehnert schließlich ihre Ausbildung. Während des Ersten Weltkriegs unterrichtete sie in mehreren Orten der West- und der Vulkaneifel und kam 1920 nach Schalkenmehren.

 

Textile Vorlieben

 

Bereits in Anna Lehnerts Kindheit entwickelte sich eine große Leidenschaft für Stoffe, Farben und Muster. Früh spielte sie mit allen Stoffresten, derer sie habhaft werden konnte, und kleidete aus einfachen Grundstoffen eigens hergestellte Puppen farbenfroh ein.

Später, während ihrer Lehrerinnen-Ausbildung in Eltville, bemerkte man ihre praktisch-künstlerischen Talente sowie ihren unfehlbaren Sinn für Farbgestaltung und bot ihr eine spezialisierte Ausbildung als "Gewerbelehrerin" an. Sie blieb jedoch bei ihrem ursprünglichen Vorsatz, Volksschullehrerin zu werden.

 

Lehrerin in Schalkenmehren

 

Anna Lehnert war 28 Jahre alt, als sie ihr Lehramt als Volksschullehrerin in Schalkenmehren übernahm. Sie wird als sympathisch, warmherzig, kunstsinnig, sehr gebildet, motivierend und "pädagogisch modern eingestellt" beschrieben. Von ihren Schulkindern wurde sie verehrt. Ihre stets geschmackvolle, elegante Kleidung stand im Kontrast zu den ärmlichen Verhältnissen der dörflichen Umgebung, welche sie womöglich stark an ihre eigene Herkunft erinnerten. Die Vulkaneifel war damals geprägt von Kleinbauerntum, kinderreichen Familien und wirtschaftlicher Not. Die politischen und wirtschaftlichen Umstände nach dem Ersten Weltkrieg verschärften die materielle Situation zudem auf dramatische Weise.

In Anna Lehnert reifte zusehends der Entschluß, dieser Notlage in irgendeiner für sie möglichen Form entgegenzuwirken.

 

Ideen in Stoff und private Veränderungen

 

Das gestalterisches Talent von Anna Lehnert bot die ideale Grundlage für eine Unternehmung, die wie "angegossen" nach Schalkenmehren und in die (textil-)handwerkliche Vergangenheit der Vulkaneifel paßte.

Für ihr ehrgeiziges Vorhaben benötigte die junge Frau Unterstützer*innen und Mitstreiter*innen, die sie nach anfänglich großem Mißtrauen ganz allmählich in der Dorfbevölkerung fand.

Ab 1926 lernte Anna Lehnert den Lehramtsbewerber Johannes Droste kennen, der ihr späterer Ehemann und auch tatkräftiger Unterstützer ihres textilen Lebensprojektes werden sollte. Nach der Heirat im Jahr 1929 mußte sie aus offiziellen und gesundheitlichen Gründen ihre Tätigkeit als Dorfschullehrerin aufgeben. Drei Kinder kamen zur Welt.

 

Schicksalsschläge und unternehmerische Erfolge

 

Anna Droste-Lehnert mußte zu ihren Lebzeiten einige persönliche Tragödien verkraften. Zwei ihrer Kinder, die beiden Söhne, starben - einer bereits im ersten und der andere im fünfzehnten Lebensjahr.

 

Mit der Genossenschaftsgründung hatte Anna Droste-Lehnert die äußerst erfolgreiche Marke "Maartuch"® geschaffen, die schnell deutschlandweite Bekanntheit erreichen sollte.

 

Die Genossenschaft durchlebte sowohl vorzüglich florierende als auch äußerst schwierige Zeiten; während des Zweiten Weltkriegs mußte sie sogar zeitweilig den Betrieb einstellen.

Anna Droste-Lehnert schaffte es jedoch immer wieder, den Herausforderungen standzuhalten. Bis an ihr Lebensende widmete sie sich ihrem großen textilen Projekt.

Als sie 1976 im Alter von 84 Jahren starb, wurde sie in einem von der Gemeinde Schalkenmehren errichteten Ehrengrab an der Weinfelder Kirche über dem Totenmaar beigesetzt.

 

 

© project a:NaB / N.H.

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