Nach dem Ende der Heimweberei-Genossenschaft zu Beginn der 1980er Jahre drohte die für Schalkenmehren und die Vulkaneifel über Jahrzehnte hinweg sinn- und existenzstiftende Einrichtung über kurz oder lang in Vergessenheit zu geraten.
Die Gemeinde Schalkenmehren wollte jedoch glücklicherweise auch weiterhin an ihr außergewöhnliches Erbe erinnern. Ein Jahr nach der Feierstunde zum Gedenken an Anna Droste-Lehnerts 100. Geburtstag im Jahr 1992 wurde in der ehemaligen Dorfschule auf Betreiben des damaligen Ortsbürgermeisters Edmund Scholzen und des Ersten Beigeordneten Helmut Diewald sowie durch die Initiative aktiver Bürger:innen (allen voran Renate und Heinz-Jürgen Rieden) das "Heimweberei-Museum" eröffnet.
Schwerpunkte
Das Museum widmet sich in ausführlicher Weise der Entstehung und Wirkkraft der Heimweberei-Genossenschaft als Folge des Mutes, des Ideenreichtums und der künstlerischen Begabung der jungen Lehrerin Anna Droste-Lehnert. Auch die Genossenschaftsmitglieder und Mitarbeiter:innen werden gewürdigt. Viele Fotodokumente zeigen Menschen und Arbeitsprozesse im dörflich-ländlichen Umfeld während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und veranschaulichen ihre Lebensrealitäten. Im Mittelpunkt des Museums stehen selbstverständlich die unzähligen wollenen und leinernen Stoffe ("Maartuch"® !) mit ihren bunten, geschmackvollen Mustern, die in den gläsernen Vitrinen aufgereiht und gestapelt sind. Eine Augenweide!
Die technischen und textilhandwerklichen Aspekte werden anhand der dafür erforderlichen Gerätschaften erläutert. Das kleine Museum bildet ein breites Spektrum der Handweberei ab und zeigt zudem im ersten Stock der Schule weitere interessante Aspekte von (Gebrauchs-)Textilien, Mode und Bekleidung aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Ehrenamt vom Feinsten
Seit Beginn wird das Museum von einem Museumsteam ehrenamtlich geleitet. Lange Zeit waren ehemalige Genossenschafts-Mitglieder, Mitarbeiter:innen und/oder deren Familienangehörige mit Begeisterung und Engagement mit von der Partie. Sie vermochten den Besucher:innen aus eigener Erfahrung anschaulich von der textilen Vergangenheit Schalkenmehrens zu berichten oder führten das Weben der traditionsreichen Stoffe eigenhändig am Webstuhl vor.
Renate Rieden leitete das Museum zwanzig Jahre lang und war - neben der klassischen (und arbeitsintensiven) Museumsarbeit - sehr bestrebt, das textile Wissen Schalkenmehrens bestmöglich weiterzugeben. Viele Interessierte, ausdrücklich auch Kinder, erlernten bei ihr im Laufe der Jahre das Spinnen, Weben und Pflanzenfärben. Sie organisierte Messeteilnahmen, Textilkunstwettbewerbe und Ausstellungen. Eine von Renate Rieden geleitete Spinngruppe traf sich regelmäßig zum gemeinsamen Arbeiten und Wissensaustausch.
Die engagierte Museumsleiterin initiierte zudem die Anlage eines Färbepflanzengartens, der das breite Färbepflanzenspektrum veranschaulicht, welches bereits Anna Droste-Lehnert zur Verfügung stand. Der kleine Garten befindet sich seitlich hinter dem Museum; von seiner Warte aus hat man einen direkten Blick auf die schöne Schalkenmehrener Maar-Landschaft.
Und heute?
Über 30 Jahre nach der Museumsgründung und 45 Jahre nach Aufgabe der Genossenschaft gibt es immer weniger Zeitzeugen, die in die textile Geschichte Schalkenmehrens direkt involviert waren. Und die jüngeren Generationen verlieren sprichwörtlich "den Faden" bzw. das Interesse daran, sich für etwas zu engagieren, was für sie womöglich wie aus der Zeit gefallen scheint. Zum Glück fanden sich bisher immer engagierte ehrenamtliche Museumsmitarbeiter:innen, die aus Schalkenmehren selbst oder "von außerhalb" kommen. Das Team sucht nach wie vor Verstärkung, damit es langfristig gut weitergehen kann.
Auch soll, nach jahrelanger Pause (u.a. wegen der Covid-19-Pandemie und lang andauernder Bauarbeiten am Museumsgebäude), wieder ein "Spinnkreis" gegründet werden, in dem man gemeinschaftlich handwerkt, handarbeitet und lernt. Hier werden ebenfalls Interessenten und Interessentinnen gesucht.
© project a:NaB / N.H.
www.project-anab.de
ANNAS MUSTER :
Ausstellungseröffnung am 17. Mai um 15 Uhr
Heimweberei-Museum Schalkenmehren
Mehrener Straße 5, 54552 Schalkenmehren
Öffnungszeiten: Sonntag 15 bis 17 Uhr
